Oberheim OB-Serie: Vergleich SEM – OB-1

Vergleich Oberheim SEM mit OB-1, technische Untersuchung der klangrelevanten Funktionen, Versions-Hinweise und Details

SEM-1A

Quellen

SEM Instruction Manual March 1975
– Board Identification Diagramm 15.02.1975
– Odyssey-Modifications 15.02.1975
– Schematics (15.02.1975 ?)

SEM-1A Parts-Placement 1204A  04.05.1976
Trimmer-Location Diagram 15.02.75 (Rev. 30.05.1978)
SEM-1A Wiring Block Diagram (Rev. 31.08.1978)

OB-1

OB-1A

Quellen

1338 OB-1 Wiring Block Diagram
1339 Pot-Board 31.10.1977
1340 Perf.-Board (Rev. 04.12.1978)
1341 Programmer 22.09.1978 (Rev. 19.03.1978)
1342
– 01 Synthesizer-Board 26.09.1978 (Rev. 02.04.1979)
– 02 EG 30.01.1978 (Rev. 02.04.79)
– 03 S&H 01.11.1977 (Rev. 02.04.79)
1387 EG Chip-Board (CEM3310) 29.11.78

OB-1A 1427 Wiring-Block-Diagramm 01.10.1979

VCO – Vergleich

Die VCO-Schaltungen zur Erzeugung der Kurven-Formen sind weitgehend gleich.
Unterschiede ergeben sich insbesondere im Ausgangsbereich der generierten Kurvenformen und bei den Modulations-Signalen.

Der OB-1 verfügt über einen Sub-Oszillator, das SAW-Signal von VCO#2 kann auf den CV-Eingang von VCO#1 rückgekoppelt werden (Cross-Mod). Diese vielzitierte Schaltung besteht aus einem Transistor, einem Kondensator und 4 Widerständen.

VCF – Vergleich

Die einzelnen Filterstufen sind in beiden Geräten gleich aufgebaut und mit 3080 OTAs realisiert. Der OB-1 verfügt über doppelt so viele Stufen (4pol) wie das SEM-Filter (2pol) und ist umschaltbar (12/24db).
Das SEM-VCF teilt das Signal in Hochpass/ Tiefpass/ Bandpass auf, die separat ausgeleitet werden. Dementsprechend sind die Ausgangsbeschaltungen der Geräte unterschiedlich.

VCA – Vergleich

Die VCA-Schaltungen der Geräte sind grundsätzlich gleich und mit OTAs (3080) realisiert.
Unterschiede ergeben sich in den Optionen zur Ansteuerung. 

Grundsatz-Debatte: Wenn man diese Schaltung als „diskret“ bezeichnet, dann hat auch der OB-Xa „diskrete“ VCAs, da sieht es auf den Voice-Karten fast genauso aus.

Schaltungs-Variante OTA3080 mit nachfolgendem Operationsverstärker (741, später 081):
Dies ist übrigens die „wunderbare“ Schaltung, die angeblich dem Signal „etwas Schmutz zufügt“. Ich hab´s bisher noch nicht gefunden.

Zusammenfassung

SEM-1A: Der Beginn einer technischen Dokumentation konnte für März 1975 festgestellt werden. Letzte Revision vom 31.08.1978.
Wesentliche technische Änderungen konnten nicht nachgewiesen werden, sind aber nicht ausgeschlossen.

OB-1: Quellen-Dokumente vom 31.10.1977, Revisionen bis zum 02.04.1979. Mit Dokument 1387 v. 29.11.1978 Einführung eines Chip-Boards mit 2x CEM3310 für die Envelopes.

OB-1A: Dokument 1427 v. 01.10.1979 mit erstmaliger Produktbezeichnung OB-1A. Neues Gehäuse-Layout (wie OB-X), geringe technische Änderungen (Anschlüsse Rückseite / Modulation).

Der technische Ansatz in den Kernfunktionen (VCO-VCF-VCA) ist bei SEM und OB-1 erkennbar gleich. 
VCOs basieren auf einem Transistor-Array (3086) mit diskreten Folgestufen.
VCFs haben die gleiche Grundstruktur mit mehreren OTA-Stufen, allerdings auch deutliche Unterschiede. Das SEM-Filter verfügt über 2 Stufen (12db) und leitet einzelne Funktionen aus (Tiefpass / Hochpass / Bandpass). OB-1 -Filter haben 4 Stufen (Tiefpass 12/24 db wählbar).
VCAs sind nahezu identisch (OTA).

Die Hüllkurven, beim SEM 3-stufig, blieben zunächst unverändert in diskreter Bauweise , wurden beim OB-1 aber Ende 1978 auf CEM-Bauteile (3310) umgestellt.

OB-1 und OB-1A

Ende 1979 erschien der „neue“ OB-1A, der offensichtlich aus reinen Marketing-Gründen an das optische Layout (Gehäuse/Aufdruck) des aktuellen OB-X angepasst wurde. Die Bezeichnung OB-1A ist nachgewiesen. Die technischen Unterschiede sind eher minimal.

Fazit

Der technisch orientierte Vergleich zwischen SEM und OB-1 zeigt deutliche Deckungen in der Elektronik, ein familiärer Zusammenhang ist zweifellos erkennbar. Modulationen und insbesondere Filter zeigen jedoch markante Unterschiede, die auch zu verschiedenen Sound-Ergebnissen führen.

Beide Geräte haben einen großen Anteil an eigenen Sound-Möglichkeiten, die technische Verwandtschaft ist jedoch oftmals zu hören.

Außerhalb des Vergleichs der elementaren Schaltungen bieten beide Geräte umfangreiche Möglichkeiten der Klanggestaltung. Die Gerätekonzepte insgesamt sind unterschiedlich. SEM-Module sind vom Ansatz her als Ergänzungen zu „Fremdgeräten“ entstanden und entwickelten sich zu mehrstimmigen Synthesizern (2-Voice / 4-Voice).
OB-1 und OB-1A sind typische „Lead-Synthesizer“, Performance, Handling und Speicher hatten Vorrang. Ein Anwendungs- und Sound-Vergleich war jedoch nicht Gegenstand dieser Untersuchung.

Mythen

SEM und OB-1 sind diskret aufgebaut und haben deshalb einen anderen Sound als spätere Geräte …

Eine VCO- oder Filterschaltung mit mehr als 5 integrierten Schaltkreisen (ICs) ist kaum noch als „diskret“ zu bezeichnen. Eine treffende Einordnung wäre eher das „nicht Vorhandensein spezialisierter Chipsätze“ wie CEM, SSM etc., dann kann aus Mythos Wahrheit werden.

 

Der OB-1 (das erste Modell) ist technisch eher den SEMs zugehörig, das spätere Modell eher dem OB-X , deshalb ist der Sound auch unterschiedlich… 

Das ist falsch, der Sound ist gleich, Unterschiede gibt es beim Gehäuse (Mechanik/Aufdruck) und bei Modulation/Anschlüssen. Reine Marketing-Anpassung für das OB-X-Layout.